MYANMAR 8: MINDAT

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lese von Anfang an – Myanmar 1: Yangon

Mindat und Nat Ma Taung Nationalpark waren die nächsten Ziele auf unserer Reise. Von Bagan aus gestaltete es sich recht mühsam in das kleine Dorf zu gelangen. Zunächst einmal ging es hinten auf einen Pickup, wo außer uns noch eine Frau mit einem Baby sowie einem Kleinkind saß. Knapp 40 Minuten später erreichten wir Pakkoku. Allerdings war dort keine Bushaltestellte wie gedacht, sondern etwas, dass mehr an eine Postfiliale erinnerte. Im Minutentakt wurden hier Pakete abgeliefert und abgeholt. Ich habe absolut keine Ahnung wie irgendjemand hier einen Überblick haben konnte. Für John und mich sah es eher danach aus als würden Pakete willkürlich in irgendwelche vorbeifahrenden Vans geworfen. Naja, uns wurde erzählt neben 2 großen Säcken Reis zu warten. Minuten vergingen und sogar Stunden vergingen bis unser Minivan endlich ankam. Natürlich war dieser schon völlig beladen, doch mittlerweile waren wir darüber wirklich nicht mehr verwundert und akzeptierten einfach unser Schicksal. Unser Gepäck wurde mal wieder oben aufs Dach gebunden. Wir beteten einfach nur, dass alles (inklusive uns selbst) heile ankommen würde.

bus station goals in Pakkoku

Wie sich schnell herausstellte waren Gebete nicht ganz unberechtigt. Mindat ist auf fast 2000 Meter Höhe gelegen und der Großteil der Fahrt führte uns über die schmalen Sandstraßen bergauf und ab. Definitiv nichts für schwache Nerven. Es war praktisch ein Wunder, dass wir nicht einfach im Sand stecken blieben oder den Abhang hinunter sausten, wenn wir mal wieder in einem brenzlichen Überholmanöver an einem überladenen LKW vorbeizogen.

Am Rande der Straße zelteten mitten im Nichts oft Arbeiter, die für neue Straßen sorgen sollten. Meiner Meinung nach einer der härtesten Jobs der Welt. Frauen und Männer standen bewaffnet mit Schaufeln uns Spitzhacken am Rande des Abhangs und zerkleinerten den ganzen Tag über Gestein in harter Handarbeit. Die Frauen kümmerten sich gleichzeitig noch um die Kinder und hatten oft sogar ein Baby auf den Rücken gebunden. Andere schleppten Kieselsteine, selbstverständlich auf dem Kopf, von A nach B, die dann von anderen Arbeitern sorgfältig verteilt wurden. Männerjob war es sich um den Teer zu kümmern. Komplett ohne Schutzkleidung und in Flipflops wurde die Masse in alten Tonnen erhitzt und dann ebenfalls im Eimern auf dem Kopf zur Einsatzstelle getragen. Nicht nur ein knochenharter Job tagein tagaus, sondern auch noch abgelegen in den Bergen, Stunden entfernt vom nächsten Dorf. Kein Strom, kein fließend Wasser, heiße Tage, eiskalte Nächte in einfachen selbstgebauten Zelten aus Planen. Unvorstellbar bei uns zu Hause.

Das Bild zog sich so stundenlang weiter. Schließlich erreichten wir am Abend endlich unser Gasthaus, welches wir zuvor per Telefon gebucht hatten. Online gab es so gut wie keine Hotels in der Gegend zu finden, wenn, dann meistens deutlich über unserem Budget. Glücklicherweise hatten wir die Nummer dieses Gasthauses in einem Forum gefunden.

Wir waren wirklich froh endlich in unser Zimmer einchecken zu können, da weder John, noch ich uns richtig von einer üblen Lebensmittelvergiftung erholt hatten, die wir uns in Bagan zugezogen hatten.

Die Besitzerin des Gasthauses war freundlich, sprach allerdings kaum Englisch. Sie zeigte uns unser Zimmer im obersten Stock, welches sehr gemütlich eingerichtet war. Zwei kleine Betten mit vielen Decken, riesige Fensterwände an allen Seiten und ein kleines Badezimmer. Alles was wir brauchten war da. Es war schon sehr spät und wir beschlossen uns direkt schlafen zu legen, zufrieden, dass wir die Minivan Fahrt überlebt hatten.

Am nächsten Morgen ging es John dann immer noch schlecht, die Lebensmittelvergiftung hatte ihm also auch nach Mindat gefolgt. Also beschloss ich mir das kleine Dorf alleine anzusehen. Nach einem leckeren Frühstück mit frischen Avocados zubereitet von der netten Hausbesitzerin (juhu, ich konnte endlich wieder etwas essen!) wanderte ich die Hauptstraße in Richtung Markt entlang. Überall wurde ich von den Bewohnern des Dorfes angestarrt. Es war wohl wirklich wahr, dass hier nicht all zu viele Touristen vorbeikommen. Rechts und links von der leeren Hauptstraße waren kleine Läden. Die meisten davon verkauften abgepacktes Essen so wie Kekse, Nudeln, Reis und Süßigkeiten. Auch überraschend viele Kleidungsgeschäfte waren im Ort: von gefälschten Gucci Shirts bis hin zu den süßesten Schlafanzügen für Babys gab es wirklich alles. Der Ort selbst bot unfassbare Ausblicke auf die Berglandschaft. Alle Häuser entlang der Hauptstraße waren direkt an den Abhang gebaut und für mich was es sehr verwunderlich, dass manche der einfachen Holzkonstruktionen hielten.

the main street in Mindat

Nach einer guten halben Stunde erreichte ich dann den Markt. Zu meiner Überraschung waren die meisten Tiere hier mehr als frisch, nämlich sogar lebendig. Hineingequetscht in kleinen Käfigen versuchten die Hühner vor den Kinderhänden zu fliehen, die mit den Tieren spielen wollten. Auch kleine Ferkel und Ziegen liefen über den Markt. Sogar Fisch war auf dem Markt vertreten – den bekannten Geruch von getrocknetem Fisch konnte man wirklich nicht verdrängen. Direkt neben dem Markt befand sich eine super moderne knallrote Halle, die ich mir mal genauer anschauen wollte. Hier waren noch mehr Läden. Allerdings überraschend geordnet und sogar mit richtigen Regalen. Ich fand sogar Haferflocken und Erdnussbutter, die ich sofort kaufte. Auch ein paar Äpfel und Bananen landeten in meinem Einkaufskorb. Dieser Trip hatte sich schon jetzt gelohnt. Ich lief noch ein wenig weiter durch die Straßen und bewunderte die Aussicht und lächelte den netten Bewohnern zu.

Mindat ist eines der wenigen Dörfer in denen noch Frauen leben, die sich damals das Gesicht tätowiert haben. Die Herkunft dieser Tradition ist nicht völlig klar. Allerdings wird behauptet, dass die Frauen dies gemacht haben um unattraktiv zu wirken – entweder um nicht von anderen Stämmen oder für den König gekidnapped zu werden. Je nach Herkunftsgegend sind die Tattoos unterschiedlich, aber alle gleich beeindruckend. Ich war mir nicht sicher ob John und ich die Gelegenheit haben würden dies selbst betrachten zu können, aber tatsächlich liefen die Frauen mit Gesichts Tattoos überall rum. Mittlerweile ist es verboten dieser Technik weiterhin nachzugehen und die alten Frauen gehören zur letzten Generation die diese Art Kunst noch tragen. Dementsprechend war es eine große Ehre dies sehen zu dürfen. Etwas anderes was schnell auffiel waren die riesengroßen Pfeifen, die die Frauen hier rauchten. Ich wurde sogar mehrmals eingeladen mit zu rauchen, was ich aber dankend ablehnte (ich wollte mich als Nichtraucher nicht blamieren indem ich an dem Rauch fast ersticke).

Am Nachmittag checkte ich dann mal nach John, dem es immer noch nicht besser ging. Allerdings bereitete ich ein paar Haferflocken mit Bananen und Soyamilch für uns zu. Zum Sonnenuntergang setzten wir uns dann auf unsere Terrasse im dritten Stock. Es wurde schnell auch überraschend kalt und wir kuschelten uns unter unsere warmen Decken, schon war der erste Tag im kleinen Dorf vorüber.

Auch am zweiten Tag war John noch nicht wieder fit. Ich hingegen fühlte mich das erste Mal richtig fit und beschloss ein kleines Café zu suchen, von dem ich im Internet gelesen hatte. Nachdem ich zwei Mal die Straße verpasst hatte, fand ich endlich das richtige Haus. Das Café wirkte total irreal. Moderne Einrichtung & top Kaffeemaschinen. Die beiden jungen Männer, die dort arbeiteten waren erstaunt mich dort zu sehen, sprachen aber super gut Englisch und gesellten sich zu mir währenddem ich den wundervollen Kaffee genoss und an leckeren Keksen knabberte. Sie erzählten mir einiges über das Dorf und den naheliegenden Nat Ma Taung Nationalpark. Das Hornbill Café kann ich nur jedem empfehlen, der nach Mindat kommt.

finally some good coffee at Hornbill Café

Immerhin schafften wir es am Abend auf einen kleinen Hügel im Dorf zu klettern um von dort gemeinsam den Sonnenuntergang zu betrachten. Wir beschlossen, dass es gesundheitlich für uns leider zu diesem Punkt keinen Sinn machen würde auf eine tagelange Wanderung zu gehen und stattdessen schon in Richtung Ngapali Beach zu fahren. Wirklich schade, da wir beide gerne den Nationalpark und die Dörfer rund herum gesehen hätten. Auch unser eigentlicher Plan noch in Kanpetlet, einem weiteren Dorf auf der anderen Seite des Nationalparks, Stopp zu machen strichen wir.

Am nächsten Morgen stellte es sich dann wieder Mal wirklich schwierig raus eine Busverbindung zu finden. Letztendlich fanden wir in einem kleinen Laden für Bustickets aber doch noch jemanden der Englisch sprach und uns helfen konnte. Wir mussten erst einmal nach Pakkoku zurück, dann nach Pyay und von dort dann letztendlich nach Ngapali Beach. Insgesamt standen also mehr als 35 Stunden Fahrt vor uns…

a woman with face tattoos from Mindat (not my photo)

TO DO IN MINDAT

Wandern: Der Grund warum man nach Mindat kommt ist dies als Ausgangsort zu benutzen um Wanderungen zu Dörfern in abgelegenen Gegenden des Nat Ma Taung Nationalparks zu besuchen, wie es auch unser Plan war. Die wenigen Hotels, die es dort gibt können dir beim Vermitteln von Guides helfen. Die Guides kommen meist mit Motorrad und fahren dich so weit es geht, bevor es nur noch zu Fuß weiter geht. Ich würde definitiv eine geführte Tour empfehlen, da allein schon jemand zum Übersetzen hier benötigt wird.

Guter Kaffee: Wer sich nach langem Reisen mal wieder nach einem guten Kaffee sehnt sollte ins Hornbill Café gehen. Frisch gemahlener Kaffee anstelle von Instantpulver, ein Traum!

HOW TO GET THERE AND AROUND

Es gibt einen Minivan, der jeden Morgen von Pakkoku in Richtung Nat Ma Taung fährt. Allerdings haben wir nach langem Rumfragen auch einen Bus am Nachmittag gefunden. Sonntags fahren anscheinend keine Busse. Auch hier kann ich nur empfehlen alles rechtzeitig zu organisieren. Ein Mann vom Fahrradverleih, der auch Plakate für Bustickets draußen hängen hatte und direkt beim Lux Pillow Hostel in Bagan Richtung Irrawady located war konnte uns sehr gut weiterhelfen.

WHERE TO STAY

Auf den Onlineplattformen waren (zumindest bei uns) fast immer alle Hotels in Mindat und Kanpetlet ausgebucht. Ich empfehle dort einfach anzurufen, das kann auch Geld sparen. Wir waren im Monica Guesthouse und super zufrieden. Organisiert eure Unterkunft früh genug, es gibt wirklich nicht viele Optionen hier!

GOOD TO KNOW

Bringt genug Geld mit nach Mindat! Es gibt keinen Geldautomaten. Nur eine Bank, die mehr oder weniger nur ein Einkaufsladen ist mit einem Tisch für Bankgeschäfte. Hier funktionierte bei uns allerdings nichts. Also es gab keinerlei Möglichkeit an Bargeld zu kommen.

Organisiert die Unterkunft und Bustickets für Mindat so früh es geht um nicht leer dazustehen.

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