ALLEINE REISEN ALS FRAU

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Ein Thema mit dem ich ständig konfrontiert werde, sei es zu Hause im Kreise meiner Familie oder unterwegs in einem fremden Land, ist es alleine als Frau zu reisen. Es gibt viele Vorurteile für die man sich ständig aufgrund seines Geschlechts rechtfertigen muss.

Vor meiner ersten größeren Reise durch Südostasien als junge, alleinreisende Frau (damals war ich gerade einmal 20 Jahre alt) hatte ich mir ehrlich gesagt nicht einmal Gedanken über dieses Thema gemacht. Für mich stand nie in Frage, dass ich als Frau genau so durch die Welt reisen kann wie meine männlichen Kollegen. Doch tatsächlich wurde ich schnell nicht nur von Männern, sondern auch von anderen Frauen ständig damit konfrontiert warum ich ganz allein unterwegs sei. Um ehrlich zu sein fehlte mir zunächst eine passende Antwort dazu, naja, um genau zu sein tut es das immer noch. Warum sollte ich schließlich nicht genau so die Welt erkunden können wie jeder andere um mich herum?

Ngapali Beach in Myanmar

SICHERHEIT

Wer an alleinreisende Frauen denkt, denkt wohl zuerst an Sicherheit. Sein wir ganz ehrlich. Es ist kein Geheimnis, dass eine Frau, die alleine durch die Straßen läuft, ein einfacheres Ziel ist, als ein Mann – auf Reisen und genau so zu Hause. Ich denke allerdings, dass jede einzelne Frau mit gesundem Menschenverstand dieses Risiko deutlich minimieren kann, ob zu Hause in der Heimat oder in einem fernen Land. Schreckliche Dinge können, das ist leider Fakt, überall auf diesem Planeten passieren.

Egal wo mich meine Pläne auch hinlockten, ich fand es immer hilfreich mich zuvor mit der Geschichte und Kultur eines Landes zu befassen um die Menschen des Landes besser zu verstehen.

Sei bereit dich einer Kultur anzupassen.

Auf einer meiner letzten Reisen ging es für mich quer durch Myanmar, einem Land, das erst vor kurzem für Touristen geöffnet wurde. Zudem ist das ehemalige Birma deutlich konservativer als die meisten anderen Länder, die ich zuvor bereist hatte. Hier war es für mich selbstverständlich auch trotz Hitze konservativere Kleidung zu tragen. Ich denke allein durch diese Anpassung wurde ich mehr respektiert und deutlich weniger angestarrt als andere Touristinnen mit kurzer Kleidung. Als westliche Frau in einem Land wie diesem ist man nun Mal exotisch. Auch ich fühle mich nicht immer wohl wenn ich alleine eine Straße herunter laufe und Blicke auf mir ruhen spüre. Meist hilft allerdings ein einfaches Hallo oder ein Lächeln um die komische Situation zu überbrücken. Tatsächlich sind die meisten Menschen, egal ob Mann oder Frau, wirklich nur neugierig und wollen einem gerne weiterhelfen oder ihre wenigen Englischkenntnisse ausprobieren, sie sind einfach nicht gewohnt, was sie sehen.

Ein weiterer Punkt für mich ist Alkohol. Es ist einfach Fakt, dass man unter dem Einfluss von Alkohol leichtsinniger wird. In einer Gegend, die fremd für mich ist, möchte ich Herr(in) meiner Sinne bleiben. Ich trinke nie wenn ich alleine bin und versuche immer zurück zu meiner Wohnung zu kommen solange sich noch Menschen auf den Straßen rum treiben. Meine einzige schlechte Erfahrung allein in der Nacht hatte ich auf Bali, wo jemand versucht hat mich von meinem Roller zu schuppsen. Leider etwas, von dem man vermehrt auf der Insel hört. Ich kann nur jeder Frau raten vielleicht ein oder zwei Euro (ja ich weiß, wir sind alle low budget unterwegs) mehr zu investieren und in dem Fall mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Außerdem sind in größeren Städten oft Straßenhunde unterwegs, denen man auch nicht unbedingt in dunklen Gassen über den Weg laufen möchte.

Traditionelle Kopfbekleidung in Myanmar

DIE PROJEKTION DER MEDIEN WIDERSPRICHT OFT DER REALITÄT

Schon einige Male habe ich mich sehr gewundert wenn ich Fuß in ein unbekanntes Land gesetzt habe. Besonders muslimische Länder werden in unseren Medien oft völlig anders dargestellt als ich sie in der Realität erlebt habe. Auch Indien (und ich möchte hier mit Sicherheit nicht die zahlreichen Vorfälle, die Gewalt gegenüber Frauen involvieren, runterreden) hat sich für viele meiner Freundinnen (ich selbst hatte noch nicht die Chance dorthin zu reisen) als durchaus positiv bewährt, trotz des allgemein sehr schlechten Rufs für alleinreisende Frauen.

Ich schließe daraus mir selbst vor Ort ein Bild zu machen bevor ich über ein Land und dessen Leute urteile. Zu oft wird ein Land auf die Politik weniger Leute an dessen Spitze sowie weniger negativer Vorfälle (wer berichtet schließlich über die zahlreichen positiven Erlebnisse die im Gegensatz stehen) reduziert.

ALS FRAU BEIM REISEN ANDERS BEHANDELT WERDEN
Ironischerweise ist dies ein Punkt, der für mich nur zugetroffen ist, wenn ich  mit Männern unterwegs war. Meiner Erfahrung nach waren die Einheimischen – egal welches Landes – immer sehr hilfreich und haben mir sofort geholfen wenn ich irgendwelche fragen hatte.

Nur wenn ich mit Männern unterwegs war kam es gelegentlich in Asien vor, dass auch wenn ich eine Frage gestellt hatte, nur mein männlicher Kollege beim Antworten angeschaut worden ist. In Restaurants wurde auch eigentlich immer erst mein männlicher Gegenpart nach der Bestellung gefragt. Die Rechnung kam selbstverständlich auch immer direkt zum männlichen Kollegen. Oft war ich besonders am Abend in Myanmar sogar die einzige Frau in Restaurants. Generell etwas, dass man selbst schlecht beeinflussen kann und einfach akzeptieren muss. Die Rollenverteilung in vielen Ländern ist nunmal (noch) deutlich konservativer als bei uns.

Natürlich gibt es Länder in denen es andere Rechte für Frauen gibt als für Männer. Allerdings glaube ich, dass man sich als Frau oder auch als Mann den Regeln eines Landes anpassen sollte in denen man zu Gast ist. Wir erwarten schließlich ja auch irgendwie das Gleiche von Touristen, die zu uns kommen, oder?

Außerdem sieht man zur Zeit einen großen Umschwung in der ganzen Welt. Frauen bekommen überall mehr und mehr Rechte. Schauen wir als Beispiel auf Saudi Arabien, wo sich vor nur wenigen Jahren wohl niemand hätte vorstellen können eine Frau hinterm Steuer eines Autos zu sehen.

ALLEIN UNGLEICH EINSAM

Ein Punkt, vor dem ich am Anfang meiner Reisen am meisten Angst hatte war es meine Erlebnisse mit niemanden teilen zu können und auch viele Mitglieder meiner Familie bemitleiden mich (immer noch) ständig „niemanden“ bei mir zu haben. Tatsächlich ist dies aber wohl das, was mich am Reisen am meisten begeistert.

Weihnachtsfeiereien mit ein paar Leuten aus der ganzen Welt, die ich nur Stunden zuvor kennen gelernt habe. Einer meiner schönsten Momente in Indonesien.

Während einer Reise trifft man auf so viele unendlich interessante Persönlichkeiten, die man in seiner Komfortzone oder als Teil einer Gruppe niemals kennen lernen würde. Egal ob Höhlenforscher aus Ecuador, Tätowiererin aus Finnland oder Zimmermann aus Australien. Man ist eigentlich nie alleine und das wirkt sich natürlich auch auf die Sicherheit aus. Ein toller Weg diese Leute kennen zu lernen ist es an Free Walking Tours teilzunehmen, die es fast in jeder Stadt gibt oder in einem Hostel einzuchecken. Oft haben andere Reisende die gleiche Route im Sinn und schließen sich mit dir zusammen. Vor allem in Asien oder auch in Australien stand ich ständig ganz zufällig wieder mit den gleichen Leuten in einer Hostellobby die ich vor einige Tage oder Wochen kennengelernt hatte.

You will never be completely at home again, because part of your heart always will be elsewhere. That is the price you pay for the richness of loving and knowing people in more than one place.

Miriam Adeney

Tatsächlich war ich teilweise froh, mal 10 Minuten für mich zu haben oder ein Hostelzimmer nur für mich (und andere Reisende werden mir hier wahrscheinlich zustimmen). Es ist für mich sehr schwer zu beschreiben, aber obwohl man die meisten Menschen, die man unterwegs kennen lernt zwar meist nur für einige Tage um sich herum hat, sorgt man sich um sich gegenseitig, es ist praktisch so etwas wie ein Familienersatz.

Und so schleimig es sich auch anhört, beim Solo-Reisen lernt man auch sich selbst ganz neu kennen und man entwickelt sich unheimlich viel weiter, weil man ständig dazu gezwungen ist aus sich selbst heraus zu wachsen. Allein deshalb kann ich jedem nur ans Herz legen alleine gereist zu haben.


RISIKOBEREITSCHAFT
Auf Reisen möchte man etwas erleben, dass man zu Hause vielleicht nicht machen kann. Aber abgesehen vom Ort besteht egal bei welcher Aktivität immer ein gewisses Risiko. Meist für Frauen ebenso wie für Männer. Wenn wir über Hitchhiking oder Coachsurfing reden mit Sicherheit mehr für Frauen als für Männer.

Jeder muss vor seiner Reise selbst abwägen welches Risiko er bereit ist zu gehen. Genau wie eben zu Hause auch. Hitchhiking ist zum Beispiel etwas, dass ich niemals alleine machen würde, egal ob in Deutschland, in Asien oder in Australien. Andere Mädels, die ich kenne, haben hiermit kein Problem und sind so günstig von A nach B gekommen.

Coachsurfing ist etwas, dass ich in Europa öfters mache und hier hatte ich nur absolut positive Erfahrungen. Eigentlich immer wurden die Erwartungen meines Aufenthalts deutlich übertroffen.

Weitere Risiken, die man beim Reisen eingeht sind oft mit sportlichen Aktivitäten verbunden. Surfen, Mountainbiken, Fallschirmspringen und Co sind nunmal Extremsportarten, bei denen jede und jeder abwägen muss, ob er bereit ist dieses Risiko einzugehen – womit wir zu den eigentlichen Gefahren beim Reisen kommen.

DIE EIGENTLICHEN GEFAHREN

Ahnst du schon was jetzt kommt? Die eigentlichen Dinge, um die man sich die meisten Gedanken machen sollte sind die gleichen wie zu Hause. Die größte Gefahrenquelle beim Reisen sind Verkehrsunfälle. Das Risiko eines Unfalls kann man allerdings meiner Meinung nach selbst zumindest etwas beeinflussen. Etwas, was vor allem in Thailand oder auf Bali auffällt sind die vielen oft angetrunkenen Motorradfahrer, die meist nur in Badekleidung und Flipflops unterwegs sind, einige sogar ohne gültigen Führerschein und selbstverständlich ohne Helm – wäre ja auch uncool… Etwas, dass für mich selbstverständlich ist nicht zu tun, da ich zu Hause in Deutschland niemals auch nur daran denken würde. Unfassbar aber wahr, auch beim Backpacken erhält man keine Superkräfte (leider) und ist trotzdem verletzbar.

Eine weitere große Gefahr in vielen Ländern ist es krank durch Lebensmittelvergiftungen zu werden. Es gibt sogar Spitznamen wie „Bali Belly“ dafür. Die hygienischen Verhältnisse sind nunmal oft anders als bei uns in Zentraleuropa. Es ist natürlich schwierig dieser Gefahr komplett aus dem Weg zu gehen (es sei denn man möchte sich nur von abgepackten Keksen und trockenen Haferflocken ernähren). Aber auch hier gilt die einfache Regel seinem gesunden Menschenverstand zu folgen. Hausen die Fliegen schon auf dem Hähnchen am Markt? Dann gibt’s halt mal vegetarisches Essen. Steht die Milch offen seit Stunden in der Sonne? Von schwarzen Kaffee ist noch niemand drauf gegangen. Ihr wisst was ich meine. Außerdem schadet es nicht Kohletabletten im Gepäck zu haben.

FAZIT

Als Frau ist man einfach ein leichteres Ziel für Kriminalität, komplett unabhängig vom Ort. Punkt. Es gibt aber einfache Wege dieses Risiko deutlich zu minimieren, wieder komplett unabhängig davon ob man in der Heimat ist oder unterwegs auf Reisen. Ich fühle mich unterwegs genau so sicher wie in meiner Heimat und hatte in all den Jahren, in denen ich unterwegs war nie nennenswerte Probleme, nur weil ich eine Frau bin. Klar gibt es gelegentlich unangenehme Blicke, aber als Exot in einem fremden Land muss man sich meiner Meinung damit abfinden und sich vor allem ansprechend kleiden und angemessen reagieren. Schaue einfach, dass du dich wohl fühlst wenn du dich in ein neues Abenteuer stürzt. Setze dich bewusst schon vor deiner Reise mit einem Land auseinander. Deine Intuition zeigt dir eigentlich immer den richtigen Weg.

Merke: Sei nicht leichtsinnig, halte dich an die Regeln und Werte eines Landes, und schalte deinen gesunden Menschenverstand nicht ab.

2 thoughts on “ALLEINE REISEN ALS FRAU

  1. Mich fasziniert, wo du schon so rumgekommen bist. Ich bin noch nie geflogen 😀

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    1. Hey, vielen Dank! Dann wird es aber schleunigst Zeit! 😀

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